
Woche 3: Schlafrhythmus, Gewitter und Safari
Anfang der Woche hatten wir ja versucht uns nach den Nachtschichten mal wieder auf einen normalen Rhythmus umzustellen, was sich irgendwie schwieriger gestaltete als gedacht. Das heißt, wir haben Mittag dann auch nicht groß was unternommen, weil wir wieder erst so spät eingeschlafen waren und dementsprechend länger geschlafen haben. Egal, denn abends ging es eh wieder zur Nachtschicht. Seit wir hier sind, hat es immer wieder schon ordentlich gewittert. Mittwochabend war aber das erste Mal, wo wir tatsächlich bei schlechtem Wetter zur Arbeit gefahren sind. Schade – denn die Fahrt bei Sonnenuntergang ist sonst immer wirklich atemberaubend! Diesmal nun aber Gewitter und Stau. Wir waren aber zu viert im Auto, sodass es trotzdem witzig war. Bei schlechtem Wetter oder vollen Straßen stehen hier an den Abfahrten übrigens schon immer Abschlepper bereit, die im Fall der Fälle dann nur einen relativ kurzen Weg haben. Wenn man sieht, wie viele Autos hier teilweise auch liegen bleiben und am Straßenrand stehen, ist das vielleicht auch keine allzu schlechte Idee. Unfälle haben wir glücklicherweise noch nicht viele gesehen!
Angekommen im Krankenhaus war dann nicht besonders viel los. Und wir waren dazu auch noch recht viele Studenten: 4 von uns plus 6 Wits Students. Ein „interessanter“ Fall im Pit war noch eine Schussverletzung am Bein bei einem Taxifahrer der überfallen wurde, als er einen Kunden abholen wollte. Er war stabil und auch ziemlich gut gelaunt, hat uns nur etwas klagend erzählt, dass er nicht schnell genug an seiner eigenen Waffe war, um sich zu verteidigen und ihm diese deshalb entwendet wurde.. Irgendwann kam dann noch ein Patient mit multiplen Stichverletzungen. Eine davon war auch im Hinterkopf, wo man das Gehirn gesehen hat. Auf das CT Brain mussten wir dann trotzdem über eine Stunde warten, wie das hier häufig so ist. Das frustriert schon des Öfteren mal. Nachdem das Ganzkörper CT auch noch freie Flüssigkeit im Abdomen gezeigt hatte + Milzruptur, ging es dann (diesmal auch recht zügig) direkt in den OP. Kurz vor Ende kam dann noch ein MVA (motorvehicle accident = Auto-Unfall) mit gebrochenem Unterkiefer, der auch direkt intubiert und weiter versorgt wurde. Prinzipiell ist es ja von Vorteil, wenn viele Leute da sind, die helfen (wollen), wenn das aber darin ausartet, dass gefühlte 100 Mann um ein Bett herum stehen und teilweise den Leuten im Wege stehen, die was nützliches machen, ist das zum Haare raufen. Das lag jetzt unter anderem aber auch daran, dass einfach wenig Patienten da waren und alle sehen wollten, was mit diesen wenigen Patienten passiert. Da es so ruhig war, haben wir uns auch zwischendurch in den Aufenthaltsraum gesetzt und versucht ne Runde zu schlafen. Gleichzeitig angenehm, ein wenig Zeit zum Ausruhen zu haben, aber auch ärgerlich, dass man 12 Stunden arbeitet, um mit 100 Leuten 10 Patienten zu sehen.
Zurück von der Nachtschicht hatten wir uns am Donnerstag einen Wecker gestellt, um nicht zu lang zu schlafen und wieder in einen Tagrhythmus zu kommen, da wir ja Freitag (endlich!) auf Safari fahren wollten 🙂 Für die Schichten im Bara waren auch schon genug Leute eingetragen. Am Donnerstag haben wir dann mitgeholfen die Anhänger für die Autos zu packen: Zelte, Stühle, Tische, Schlafsäcke, Kissen, Kochutensilien, Essen, etc. Dann sind wir abends zum Flughafen gefahren, um noch den VW Bus abzuholen; denn wir waren mit 13 Leuten unterwegs und die passen nicht alle in Alan‘s 4×4 😀 Als Dankeschön fürs mithelfen gab es für uns 4 Helfer dann Pizza und Wein. Am Vortag hatten wir auch schon ein wenig beim Essen vorbereiten mitgeholfen.
Am Freitag sollte es dann eigentlich gegen 14 Uhr losgehen, da Alan aber noch länger arbeiten musste, ging es dann erst gegen 16 Uhr los Richtung Pilanesberg National Park nordwestlich von Johannesburg. Da wir nun auch in den Feierabendverkehr geraten waren, ging es zunächst nur langsam voran. Irgendwann fing es dann auch an zu Gewittern und es wurde immer heftiger. Strömender Regen, alle paar Sekunden Blitze. Eigentlich wollten wir ja Zelten, aber das schien erstmal unmöglich. Alan meinte auch, dass er das so noch nie erlebt hatte. Da die Hütten auf dem Camping Platz schon belegt waren, fiel auch das raus. Aber wir durften uns für die NAcht in der Veranstaltungshalle niederlassen. Nach etwa 4 Stunden Fahrt kamen wir dann also im Bakgatla Camp im Norden des Parks an. Nachdem wir schnell die Schlafsachen reingetragen hatten und nun einige nasse Matratzen und Schlafsäcke vor uns hatten, stellten wir fest, dass die regenfeste Hülle vll doch nicht so regenfest war 😀 Glücklicherweise war es in dieser Halle ziemlich warm und wir hingen alles zum Trocknen auf. Wir bauten uns eine richtig schöne Tafel auf und Alan kochte auf seinem Campinganhänger noch schnell eine Suppe und Reis, den wir zusammen mit dem schon vorbereiteten Hähnchen süß sauer aßen, dass wir auf einem Gaskocher vor der Halle aufgewärmt hatten. Alle haben mit angepackt und es war eine sehr lustige Runde. Irgendwann hörte es dann auf zu regnen und Alan wollte sich die Camping Site doch zumindest einmal anschauen. Das stundenlange Regnen hatte scheinbar nicht für viel Unheil gesorgt, da dann doch die Entscheidung getroffen wurde, noch unsere Zelte aufzuschlagen. Abends um 22:30 Uhr. In völliger Dunkelheit. Wenn wir am nächsten Tag eigentlich um 5:30 aufstehen wollten. Inzwischen waren unsere Schlafsachen auch schon etwas trockener und dazu hatten wir noch Decken besorgt. Passte also alles. Nachdem wir dann noch kurz zusammen gesessen hatten bei einem Schlückchen Cider/Wein/Bier ging es dann gegen Mitternacht ins Bett, da wir ja am nächsten Morgen früh los wollten, um möglichst viele Tiere zu sehen. So früh wie geplant, hat es dann nicht ganz geklappt, aber wir sind nach einem kurzen Frühstück dann gegen 7 Uhr in den Park gefahren. Pilanesberg National Park ist ein riesiger Vulkankrater, bei dem über Jahre die Gipfel ein wenig gewandert sind, sodass nun eine wunderschöne und recht grüne Berg und Tal Landschaft entstanden ist. Da Alan hier auch als Ranger tätig ist, kennt er sich natürlich bestens aus und hatte auch den Rangerfunk des Parks angeschaltet, sodass wir auch mitbekommen haben, wenn irgendwo z.B. Eine Löwensichtung oder dergleichen war. Zunächst haben wir aber ehrlich gesagt nicht wirklich viele Tiere gesehen, außer zwei Rhinos, die direkt vor unseren Autos die Straße kreuzten. Bei einem „Hideout“ neben einem Wasserloch sonnten sich dann noch zwei Hippos 🙂 Nach und nach sahen wir dann vereinzelt Zebras, Elefanten und Antilopen. Nach zwei kleinen „Snack-Stops“ (wir hatten schließlich seit 6 Uhr nix gegessen) erfuhren wir dann den Standort von einer Gruppe Löwen. Nichts wie hin. Die Raubkatzen hatten sich ein schönes schattiges Plätzchen nicht allzu weit von der Straße ausgesucht, sodass man sie gut beobachten konnte. Wir waren natürlich nicht die einzigen Autos dort, aber man konnte sich doch ganz gut arrangieren. Danach ging es dann zu einem Lunchspot, an dem wir Würstchen gebraten haben und zusammen mit mitgebrachten Salaten gegessen haben. Die Sonne war inzwischen wirklich heiß, sodass man froh war, ein schattiges Plätzchen zum Sitzen zu haben. Danach ging es nochmal auf Tiersuche, die verhältnismäßig viele Rhinos hervorbrachte, dafür aber leider nur einmal Giraffen in der Ferne. Zurück am Campingplatz ging es dann einmal kurz in den Pool und danach nochmal für eine halbe Stunde ans Wasserloch schauen. Dann stand das Abendessen an: Steaks. Danach saßen wir dann alle zusammen noch in netter Runder, bevor es wieder blitzartig zu regnen (eher strömen) begann. Schnell alles unter die Pavillons von Allens Trailer gestellt und den Regen abwarten. Auf dem Weg zum 40m entfernten Zelt wären wir klitschnass geworden. Nach etwa 20 Minuten hörte der Regen aber auch schon wieder auf und das Feuer, was den Regen überlebt hatte, wurde neu angefacht. Wir saßen dann noch in netter Runder drum herum, bevor es wieder ins Zelt ging. Am nächsten Morgen wollten wir nämlich tatsächlich etwas früher loskommen, um vll ein bisschen mehr Glück mit Tiersichtungen zu haben.
Das hat dann tatsächlich auch funktioniert. Frühstück nahmen wir mit und ab ging es in den Park. Neben Rhinos, Elefanten, Zebras, Giraffen und Hippos sahen wir dann noch einen Geparden mit zumindest 2 Jungtieren. Das scheint wohl eine Seltenheit zu sein, da im gesamten Park nur 8 Tiere leben. Glück gehabt also. Weiter ging es vorbei an einem Wasserloch, in dem sich unzählige Hippos aufhielten und auch ein Elefant angestiefelt kam. Nachdem wir in der Masse wesentlich mehr Tiere gesehen hatten als am Vortag, fuhren wir glücklich aber vor allem auch sehr hungrig zu einer Lodge im Süden des Parks, in der wir an einem Mittagsbuffet schlemmen konnten. Das war wirklich super. Und alle haben sich den Bauch vollgeschlagen. Zu uns gesellten sich noch zwei Ranger-Freunde von Alan, die auch noch ein paar spannende Geschichten über den PArk und die Tiere zu erzählen hatten. Zufrieden und gut gefüllt ging es also wieder zurück durch den Park. Direkt zu Beginn kamen wir aber gar nicht weiter, weil eine Gruppe von etwa 10 Elefanten gemütlich direkt vor unserer NAse über die Straße trottete. In der Gruppe waren sogar 3 Jungtiere mit dabei. Wieder am Camping Platz angekommen, bauten wir in Windeseile ab und machten uns auf den Heimweg. 3 Stunden später kamen wir gegen 20:10 Uhr wieder in Jo’burg an. Dann wurde das Auto schnell weggebracht und ein paar Sachen aus dem Trailer ausgeräumt. Das meiste konnte aber so bleiben, da Alan Montag früh direkt in den Kruger National Park für zwei Wochen aufgebrochen ist 😀
FAZIT Safari:
1) 13 Leute: 1 Südafrikaner, 4 Norweger, 2 Australier, 6 Deutsche = nette und witzige Reisetruppe
2) manchmal muss man echt lange fahren, um Tiere zu sehen und dann manchmal auch nur in der Ferne (ist aber vll auch gut, dass sie so viel Freiraum und Platz haben)
3) wenn man aber etwas geduldig ist, bekommt man tolles zu sehen
4) VW Bus ist für so viele Leute nicht schlecht, aber optimal ist ein Auto, bei dem man auch ganz hinten noch die Fenster öffnen kann 😉
5) hat sich auf jeden Fall gelohnt, vor allem auch mit Alans Anekdoten
Heute gehts dann wieder auf zum Arbeiten: zur Nachtschicht. Wir sind zwar momentan noch recht viele Studenten, aber trotzdem ist der Plan häufig etwas unausgeglichen, sodass einzelne Schichten völlig überbesetzt sind und andere gerade so auskommen. Mal schauen, wie das so die nächsten Wochen wird 😉
viel Spaß beim Foto und Video schauen 🙂