
Woche 2:
Nachdem Woche 1, inklusive erstem 24h Dienst geschafft waren, haben wir uns nach ein paar Stunden Schlaf Montag Abend noch mit ein paar anderen Studenten und Ärzten in einer Bar getroffen, da einer der deutschen Bundeswehrärzte seinen Abschied gefeiert hat. Auch wenn wir nach dem vielen Arbeiten vll noch nicht wieder ganz klar im Kopf waren, war es trotzdem mal schön raus zukommen und mit einem Bierchen auf unseren Aufenthalt hier anzustoßen und auch mit den Leuten mal außerhalb des Krankenhauses zusammen zu kommen 🙂
Dienstag ging es dann nach leider nicht allzu viel Schlaf wieder auf zur nächsten Nachtschicht. Es war mal wieder ein recht interessanter Dienst: los ging es mit einem Fall, der uns Deutschland auch so präsentiert werden kann: Oberarmfraktur. Also ab zum Röntgen und dann weiter zur Ortho schicken. Soweit zumindest der Plan. Leider konnten wir den FAll nicht weiter verfolgen, da wir im Resus mithelfen mussten. Da kamen zum Beispiel eine Schussverletzung im rechten Knie, diverse Verkehrsunfälle, Pneumothorax und zum Schluss noch ein Patient, der selber erfolglos versucht hatte, ein Auto zu hijacken und dann von den umstehenden verprügelt wurde („community justice“). Bei einem der Pneus hab ich auch versucht eine Thoraxdrainage zu legen. Hat leider nicht ganz geklappt, da die Rippen sehr eng waren, sodass ich an einen der Ärzte abgeben musste, der aber auch seine Schwierigkeiten damit hatte. Also nächstes Mal 😉
Am Dienstag hatte ich schon langsam angefangen zu kränkeln und Mittwoch war es nicht wirklich besser, sodass ich zu Hause geblieben bin und Julian zusammen mit unserem deutschen Mitbewohner zur Nachtschicht gefahren ist. Die war ne Ecke ruhiger als die vorherige Nacht, sodass auch 2 Stunden Schlaf in den Sesseln im Aufenthaltsraum drin waren. Ein spannender Fall war ein Patient, der mit multiplen Schussverletzung quasi direkt in den OP gefahren wurde.
Donnerstag war dann der Tag Pause für die Woche, an dem wir einfach ein wenig gelesen haben und uns versucht haben etwas zu erholen.
Nun stand das Wochenende mit 3 Nachtschichten am Fr, Sa und So bevor: der erste Patient, den wir gesehen haben, hatte eine Ausgeprägte Schwellung am Kopf nach dem er mit einem Ziegelstein geschlagen wurde und im CT sah man eine ordentliche Fraktur und Eindellung. Das hat ihn aber nicht wirklich gestört, er wollte eigentlich lieber wieder nach Hause (er ist natürlich da geblieben). Dann kam eine Kopf-Schusswunde rein, die aber zwischendurch sogar immer wieder ansprechbar war. Schon faszinierend. Dann haben wir uns (nachdem wir von einem Arzt darum gebeten wurden) zu dritt daran gemacht, eine (bzw. 3) Schusswunden an den Beinen zu nähen. Wir hatten schon ein paar Stiche gemacht, als dann einer der erfahrenen Ärzte reingeschaut hat und nur sagte, dass wir Schusswunden nicht zunähen sollen. Also mussten wir alle Knoten wieder aufmachen und wissen jetzt aber, dass man Schusswunden nicht näht, egal was irgendwer sagt. Man muss dazu sagen, dass die Interns hier (Assistenzärzte im 1. oder 2. Jahr) zusammen mit uns angefangen haben und selber also noch neu in der Trauma sind und auch insgesamt „nur“ 10 Monate Arbeitserfahrung mitbringen. D.h. lieber nochmal nachhaken, wenn man mit einer Aussage nicht ganz konform geht. Aber im großen und ganzen sind sie sehr fleißig und meistern das enorme Arbeitspensum bei tlw. 30 Stunden Schichten schon recht gut. Danach war erstmal nicht so viel los und wir haben ein wenig im Resus aufgeräumt, bzw. geschaut, welches Equipment noch funktioniert. Immer wenn ein neuer Resus-Pat reinkommt, geht nämlich häufig das fröhliche Suchen nach einem funktionierendem Monitor (geht meistens), Sauerstoff-Sättigung (auch noch ok), EKG Kabel (da wird’s manchmal schon schwierig) und BLutdruckmanschette (das ist ganz schwierig) los. Eigentlich sollten die drei letztgenannten immer an den mobilen Monitor angeschlossen sein (und funktionieren!). Da merkt man halt schon manchmal die geringeren Ressourcen.
Bei der Rückfahrt nach der Schicht sind schon wieder unzählige Menschen neben und auf der Straße unterwegs (auch auf den Freeways). Da muss man wirklich manchmal aufpassen. Gerade nach einer Nachtschicht, wenn man etwas übermüdet heimfährt. Gut, dass wir also zu zweit sind 🙂
Samstagnacht startete unerwartet ruhig. Eigentlich ist das DIE Schicht, um zu arbeiten, da dort besonders viel anfällt und man viel helfen kann. Dafür häuften sich ein paar Stunden später ein paar „seltenere“ Fälle: stabbed chest (Stichverletzung in der Brust). Das kommt nicht jeden Tag vor und vor allem dann meist nicht mehr als ein Fall. Und in dieser Nacht kam das einfach mal 4x vor. Bei zweien ging es dann auch direkt in den OP, da das Herz irgendwo getroffen wurde und eine Perikardtamponade im E-FAST zu sehen war. Julian und ich sind dann flott mit Kreuzblut zur Blutbank gerannt und haben Emergency Blutkonserven bestellt. Die haben zwar auch ein paar Minuten gedauert, aber immerhin wurde da mal schnell gearbeitet. Dann sind wir damit in den OP gerannt und haben noch kurz bei der OP am offenen Herzen zugeschaut. Das war schon spannend. Danach ging es auch interessant weiter mit einem Patienten der aus einer Stichwunde am Hals arteriell geblutet hat. Um die Blutung erstmal zu stoppen, wurde dort ein Urinkatheter reingestopft, der Ballon aufgepumpt und schon war die Blutung gestoppt. Leicht skurrile, aber einfache und effektive Methode.
Sonntagnacht waren wir dann zur Abwechslung mal „nur“ 5 Studenten/Nurses, die zum Arbeiten da waren. Insofern hatten wir eigentlich immer genug zu tun. Irgendwann sammelten sich 5 Patienten auf Tragen im Triage Bereich und alle Ärzte waren gerade beschäftigt, sodass wir zumindest erstmal primär geschaut haben, ob die Patienten stabil sind, bis sie dann nach und nach ins Lodox (Röntgen) und dann in den Resus, bzw. ins Pit konnten. Dann gab es wieder einige Wunden zu nähen und Patienten zum CT zu fahren. Als wir zurück kamen stand auch einfach einer der Patienten im Resus am Fußende seines Bettes mit straff gespanntem Infusionsschlauch und wollte nach draußen gehen, weil er einfach mal frische Luft schnappen wollte. Wir mussten ihm erstmal klar machen, dass er sich wieder hinlegen solle, da er bei weitem nicht in der Verfassung gewesen ist, das Gebäude zu verlassen. Montag früh bei der allmorgendlichen Blutgasanalyse auf dem Ward war dann ein Patient, der durch die vielen femoralen BGAs und schon ganz verhärtete Leisten hatte, sodass ich dann auch mal eine radiale BGA hier gemacht habe.
Auf dem Weg zum Auto wurden wir dann auf Afrikaans angesprochen und nach der Kardiologie gefragt. Scheinbar haben wir uns also gut genug angepasst und wirken wie waschechte Südafrikaner 😀
Nach der Schicht haben wir dann einfach mal bis 18 Uhr geschlafen, was einerseits gut tat, andererseits aber leider dafür sorgte, dass wir dann „abends“ erst gegen 3 Uhr eingeschlafen sind.. Wir waren einfach zu lange im Nachtrythmus! Heute war dann auch eher ruhig und morgen gehts dann wieder in die Nacht. Inzwischen sind noch 4 norwegische Medizinstudenten in unserer Unterkunft angekommen, die auch für 4 Wochen in der Trauma arbeiten. Außerdem haben diese Woche auch noch 4 andere Studenten angefangen, sodass wir momentan echt viele Leute (vll auch eher zu viele) sind. Mal schauen, was die nächsten Wochen also so bringen. Dieses Wochenende geht es auf jeden Fall erstmal mit 12 Leuten auf Safari in den Pilanesberg National Park, in dem Alan auch Ranger ist 🙂
3 Gedanken zu „Woche 2:“
Ich habe gerade im Uber in LA eueren spannenden Bereich gelesen. Hört sich echt nach ER an und wie ihr bei dem Pensum da noch einen klaren Kopf behaltet. Wahnsinn. Aber wahrscheinlich spielt adrenaline ne Rolle, oder? Sind ja doch viele Schusswundenopfer. Meist aus Gangs und ist das Polizei auch mit an Krankenbett? Passt auf euch auf und liebe Grüße 🙂
Im Endeffekt haben wir auch noch keinen Dienst mitbekommen, indem es wirklich drunter und drüber ging. Da funktioniert das mit dem klaren Kopf noch ganz gut. Und momentan sind auch noch viele Studenten da. Tatsächlich sind die meisten Schusswunden von Überfällen/Carjackings und im Bekanntenkreis im Zusammenhang mit Alkohol. Polizei ist eher selten da, gab aber auch noch keine Situation, in der man sich im Krankenhaus unsicher gefühlt hat.
Moin euch beiden,
„toller“ Bericht; man hat fast den Eindruck, dabei zu sein.
Warum näht man keine Schussverletzungen und was ist eine „radIale“ BGA?