Woche 1 – Work work work

Woche 1 – Work work work

So, nun ist unsere erste Arbeitswoche rum und wir haben einiges gesehen und erlebt! Kein Wunder wenn man bedenkt, dass wir seit Arbeitsbeginn am Dienstag schon mehr als 72 Stunden im Bara verbracht haben. Da wir gerade jetzt am Anfang viel mitkriegen wollten, um möglichst schnell selbstständig arbeiten zu können, sind wir einfach jeden Tag arbeiten gegangen (bis auf Samstag, dafür Sonntag aber 24 Stunden). Und bei 12 Stunden Schichten läppert sich das dann schnell. Ein kleiner Überblick:

Donnerstag:
Ausgestattet mit unserer neuen feschen Bauchtasche ging es ab ins Krankenhaus. Von uns „Internationals“ hatten nur Julian und ich Dienst, da die anderen sich für Nachtschichten eingetragen hatten. Während der Autofahrt zum Krankenhaus fiel uns dann aber irgendwann auf, dass ja Donnerstag ist und wir deshalb ein wenig spät dran waren: Donnerstags geht es nämlich schon um 06:30 Uhr los. Machte aber auch nichts: wir sind einfach direkt zum Ward gegangen, haben da bei den morgendlichen femoralen BGAs geholfen (also aus der Leistenarterie Blut abgenommen, klappt immer besser) und sind dann ab zur Besprechung. Donnerstags ist direkt im Anschluss auch immer noch die M&M Konferenz. Leider gibts da nichts zu essen, sondern es geht um Morbidity & Mortality – es werden also alle Morbiditäten/Komplikationen und TOdesfälle der letzten Woche besprochen. Da alle chirurgischen Abteilungen daran beteiligt waren, dauerte das auch dementsprechend lange (ca. 2 Stunden). Währenddessen fiel auch (im gesamten Krankenhaus) zweimal kurz der Strom aus und alles war dunkel – passiert wohl ab und an mal 😀
Im Anschluss ging es dann ab ins Pit. Wir waren bereit was zu tun, wurden aber mit gähnender Lehre empfangen. Im Resus war nur ein Patient, der stabil war und im Pit tröpfelte nur nach und nach etwas rein und man stand zwischendurch auch einfach rum und hat gewartet, dass was passiert. Es gab ein paar kleine Wunden zu nähen: Stichverletzung am Sternum und Schnitte in der Hand. Da ja nicht so viel los war, konnten wir uns damit auch schön Zeit lassen. Ansonsten haben wir einfach Patienten abgearbeitet und irgendwann kam dann auch die Ablöse und es ging ab nach Hause. Es ist schon faszinierend, wie an einem Wochentag schon einiges los sein kann (Dienstag) und jetzt am Donnerstag einfach viel weniger Andrang herrschte.

Freitag:
Der Freitag startete auch erstmal sehr ruhig (die Nacht war auch nicht besonders viel los gewesen) und wir räumten zusammen mit den 4 Schweden den Resus auf (was manchmal bitter nötig ist. Bonus: man findet im Notfall Dinge auch schneller, da man sie vll. Selber eingeräumt hat). Um die Zeit zu nutzen, wurde uns der Weg zur Blutbank gezeigt: einmal raus und ums Gebäude rum die Straße entlang, durch eine Lücke im Zaun durch und dann weiter zu einem kleinen Gebäude. Diesen Weg werden wir definitiv nicht nachts alleine gehen! 😀 Gibt aber wohl auch noch irgendeinen Weg durch den OP, der dann nicht draußen lang führt. Im Zweifelsfall wird der dann genommen.
Nach einem ruhigen Start kamen dann doch noch einige Patienten:
1) ein Patient mit einem Mini-Pneumothorax (Luft zwischen den beiden Lungenblättern) und gebrochenen Beinen -> den haben wir mit EFAST untersucht (quasi Notfall-Ultraschall, um FLüssigkeitsansammlungen an bestimmten Punkten im Körper zu suchen)
2) ein Patient mit einer älteren Stichverletzung, die genäht wurde, jetzt aber mit reduziertem Allgemeinzustand und Verfärbungen im gesamten UNterbauch und Rücken wieder da war und direkt in den Resus ging. Dort waren dann viele Leuten am werkeln: Untersuchen, E-FAST, Zugänge legen, später Intubieren,… Hier haben wir praktisch nicht so viel beigetragen, da so viele Menschen zu Gange waren, nur zwischendurch ein paar BGAs gemacht. War aber auf jeden Fall lehrreich, da wir beide solche NOtfallsituationen in Deutschland noch nicht so viel mitbekommen hatten.
Danach ging es wieder ins Pit und weiter PAtienten untersuchen/behandeln. FAZIT des Tages: Zugänge gelegt, Katheter gelegt, BGAs, Fahrt zum CT (hier müssen gerade die Resus Patienten immer mal wieder begleitet werden). Kurz vor Dienstende zeigte sich dann im Wartebereich des CTs auch noch ein skurriles Bild: ein Patient mit mega langen Fuß/Ganzkörperketten hat sich versucht im Schneckentempo von einer Trage auf eine Liege zu bewegen, während der Police Officer einfach nur daneben stand und ihn angeschaut hat. Es hat gefühlte Stunden gedauert! Aber das mit der ZEit ist hier ja sowieso so eine Sache. Alles dauert! Und gerade die Pflege kann manchmal SEHR langsam sein: Bsp: „Ich bräuchte einmal ein Nahtset“ Pflege: „ok, wir haben keins mehr“. Geht weg, um eins von nebenan zu holen. Braucht gefühlte Stunden! Je nach Pflege darf man sich die Sachen auch selber aus den Hinterräumen holen, das geht dann bedeutend schneller!
Am Ende unserer Schicht waren wir eigentlich auch recht motiviert und hatten auch überlegt direkt die NAchtschicht noch dran zu hängen, da nicht viele Leute eingeteilt waren. Nachdem wir aber noch ne Stunde ausgeholfen hatten und dann absolut nix zu tun war, sind wir doch nach Hause gefahren. Auf dem Rückweg wollte Julian zunächst kurzer Hand die rechte Spur nutzen 😀 Ist aber nix passiert!

Samstag:
Heute hatten wir uns für keine der Schichten eingetragen und somit frei. Da wir aber Freitag nicht allzu spät ins Bett gegangen sind, hatten wir uns einfach mal einen Wecker gestellt, um zu schauen, ob wir spontan Bock haben hinzufahren. Wecker hat geklingelt. Wir waren wach. Das Bett war dann aber doch gemütlicher ;D Also frei machen heute. War auch mal eine nette Abwechslung. Wir haben ein wenig gelesen, mit unseren Mitbewohnern geschnackt und einfach entspannt und die letzten 4 Tage sacken lassen. Tut auch mal gut! Für Erkundigungen in Johannesburg bleibt die nächsten Wochen ja auch noch genug Zeit.

Sonntag:
Letzter Tag der Woche und vielversprechend: an den Wochenenden ist immer viel los, wenn die Leute frei haben und trinken. Hinzu kam noch, dass diesen Samstag ein großes Fußball-Match in Soweto anstand, was vor allem Auswirkungen auf Samstag Nacht haben sollte (Im Endeffekt war es aber wahrscheinlich aber weniger als erwartet, da es Samstag Abend richtig stark gewittert hat und die Menschen dadurch weniger draußen waren). Da die Schicht aber schon gut besetzt war, sind wir dann also Sonntag früh hingefahren. Und da war immer noch einiges los: es gab zwar wenig akute Fälle, aber noch viel aus der Nacht abzuarbeiten. Vor allem nähen, nähen, nähen (von Stichverletzungen am ganzen Körper über kleinere Schnitte am Arm bis zu multiplen Kopfwunden)! Der Resus war ganz gut gefüllt und im Pit zeigte sich auch ein ganz anderes Bild als unter der Woche. Jede Hand wurde gebraucht, auch wenn es im Großen und Ganzen noch recht „geordnet“ zuging. Es gab die ganze ZEit etwas zu tun, sodass wir unsere erste Essenspause auch erst nach 12 Stunden, abends um 19 Uhr als der Schichtwechsel kam, gemacht haben. Wir hatten uns schon im Vorfeld überlegt gehabt, 24 Stunden zu arbeiten, da in der NAchtschicht wieder sehr wenig Leute eingetragen waren. Da abends auch noch gut was zu tun war, sind wir also geblieben.
Im, Resus gab es 2 Schussverletzungen, die wir mit versorgt haben, die aber auch recht stabil waren: also Zugänge gelegt (graue! Und früher hat man sich vor den grünen gefürchtet 😀 Man muss aber dazu sagen, dass einem hier manchmal schon Recht schöne Venen begegnen), E-FAST, Untersuchung nach ABCDE. So zwischen 3 und 4 Uhr war dann erstmal nicht so viel zu tun, sodass man aufpassen musste, dass der Körper nicht komplett runter fährt. Geholfen haben Cola und Pommes vom 24h Kiosk direkt vor der Tür. Und die Pommes waren echt gut! Frisch gemacht aus ganzen Kartoffeln. Und wir haben für 2x Pommes und 3x Cola umgerechnet 5€ bezahlt, das hat sich gelohnt! Danach kam dann aber noch eine recht spannende Verlegung mit Stichverletzung aus einem anderen KRankenhaus. Der Bauch war eingewickelt und als wir den Verband aufgemacht haben, viel uns einfach jede Menge Darm entgegen. Da wurde dann kurzer Hand einmal der Schnitt vergrößert, der Darm wieder „reingestopft“, grob zugenäht und dann ab in den OP. Da waren wir erstmal etwas baff! Eher wir uns versehen hatten, war es auch schon 7 Uhr und der Schichtwechsel stand an. Da die Nachtschicht die Morgenrunde immer noch mitmacht, sind wir mit einer Riesengruppe (es haben auch noch 12! Norwegische Pflegekräfte angefangen) durch Resus, Pit und WArd gelaufen. Bei der Masse an Menschen kriegt man natürlich nicht viel mit. War uns aber auch recht egal, inzwischen merkte man die Müdigkeit und wir waren froh, nach Hause zu können. Und die Fahrt nach Hause war dann nochmal sehr anstrengend. Zu dieser ZEit ist in die Richtung auch noch viel VErkehr, sodass man leider auch nach einer Nachtschicht immer etwas länger für die Strecke braucht. Wir haben richtig laut Musik angemacht, damit wir nicht einschlafen und sind dann kurz vor 9 sicher zu Hause angekommen.
FAZIT: erster 24h Dienst check, kein Schlaf, geile Pommes, 12 neue Norweger und eine anstrengende Fahrt nach Hause.

Montag:
Zu Hause angekommen haben wir erstmal geduscht (yay endlich!) und ein wenig was gegessen und dann unseren wohl verdienten Schlaf nachgeholt. Gegen 16 Uhr sind wir wieder aufgestanden, haben eingekauft, Blog geschrieben und schauen mal, was der ABend noch so bringt. WIr haben uns diese WOche für Fr/Sa/So Nacht eingetragen und schauen mal, ob wir vll Dienstag Nacht auch noch ne Schicht übernehmen. Je nach Lust und Laune, denn wir sind diese Woche wirklich gut besetzt!

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